Los geht die Suche nach dem Gin des Lebens!

Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Warum eigentlich „Alles hat seinen Gin“? Mir hat niemand den klugen Ratschlag gegeben, einen originellen Titel für diese Seite zu wählen, um möglichst viele Leser zu erreichen, und wenn ich ehrlich bin, halte ich es selbst eher für relativ platt als für wahnsinnig originell. Ich habe nicht den Anspruch, in irgendeiner Weise lustig zu sein oder jemandem ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Das heißt natürlich nicht, dass ich es nicht trotzdem schön finde, wenn das vorkommt.

Man könnte nun hingehen und versuchen, dem Ganzen eine gewisse Tiefsinnigkeit abzuringen – irgendwo liegt es ja auch auf der Hand und ist damit weniger tiefsinnig als vielmehr ziemlich offensichtlich.

Vielleicht betrachten wir die Sache aber auch ganz nüchtern und stellen fest: ich mag einfach gern Gin (welch unfreiwilliges Wortspiel…). In Maßen, versteht sich. Nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht ist es so simpel und hat ansonsten nichts weiter zu bedeuten. Wer weiß das schon. Letztlich muss wohl jeder seinen eigenen Gin dahinter finden.

Vermutlich wäre das hier ein ziemlich unbefriedigender Auftakt, wenn jetzt nicht noch irgendetwas käme. Und doch ist und bleibt es simpel – ich brauchte einfach eine Plattform für meine Texte. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen und den Schritt tatsächlich zu gehen. Was mich jahrelang zurückgehalten hat, war die einfache Frage: „Wen sollten die zusammenhanglosen Memoiren einer anonymen Privatperson interessieren?“ Genau das war nämlich auch immer die Problematik. Mein Laptop beherbergt ordnerweise mehr oder weniger gute Texte zu allen möglichen Themen, meist simplen Fragestellungen zu ganz alltäglichen Dingen des Lebens. Diese Dokumente haben sich über Jahre angesammelt und ich wusste nie so richtig, wohin damit. Weil sie in keinem erkennbaren Zusammenhang zueinanderstehen, hätte es keinen Sinn gemacht, das Ganze zu einer Art Roman zusammenzuführen und auf Gut Glück an hunderte Verlage zu schicken (wobei das Potenzial durchaus vorhanden wäre, wenn man meiner Familie Glauben schenkt). Natürlich habe ich heute nicht erstmalig die Möglichkeit eines eigenen Blogs in Erwägung gezogen, ich lebe schließlich nicht hinter dem Mond. Wahrscheinlich war Auslöser meiner finalen Entscheidung letztlich die Feststellung, wie viele Leute ihr Mittagessen oder ihre tägliche Abschminkroutine mit der Welt teilen und damit einhergehend die Erkenntnis, dass meine Texte wohl kaum weniger Inhalt bieten können. Ich möchte damit absolut niemanden durch den Kakao ziehen – es gibt eben für alles eine Zielgruppe.

Tatsache ist, dass ich mein Leben lang schon immer gern geschrieben habe. Es begann im Kindesalter mit einfachen Kurzgeschichten über die fiktiven Erlebnisse meiner Kuscheltiere, steigerte sich in meiner frühen Jugend zu ausschweifenden Reiterhof-Romanen und mündet schließlich im Hier und Jetzt mit besagten Einzeltexten mehr oder weniger tiefsinnigen Inhalts. Wahrscheinlich diente die Schreiberei von Anfang an – ob nun bewusst oder nicht – der geistigen Verarbeitung meiner ganz persönlichen Erlebnisse und der Dinge, die mich bewegen. In einigen Fällen würde ich sogar soweit gehen, es als eine Art Ventil zu sehen.

Irgendwann fand ich es dann einfach schade, dass all diese Texte, für die ich stets eine Menge positives Feedback seitens meines ausgewählten innerfamiliären Leserkreises geerntet habe, einfach in irgendwelchen Ordnern vor sich hin vegetieren. Ich möchte nicht so weit gehen, zu behaupten, dass sie durch ihre Veröffentlichung in irgendeiner Weise zumindest etwas bewegen können, aber mit Sicherheit gibt es da draußen eine Menge Leute mit einer Schwäche für Poesie, die Gefallen daran finden werden. Und so hat eben alles seinen Gin.

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Hervorgehobener Beitrag

Der Eisberg und die Titanic

Man sagt, es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Deinem ersten Eindruck von mir folgend bist du anfänglich davon ausgegangen, ich würde dich hassen. Nicht, dass das damals gestimmt hätte. Wie auch? Ich kannte dich ja nicht und dabei hätte ich es besser auch belassen.

Betrachten wir deinen ersten Eindruck als eine Art selbsterfüllende Prophezeiung. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Sinn macht es.

Die Frage ist nur: warum haben wir die Situation nicht gelassen, wie sie war? Warum haben wir versucht, etwas aufzubauen, das niemals eine reelle Chance hatte, zu existieren? Dabei hätte ich es wirklich besser wissen müssen. Immerhin bist du bei Weitem nicht der Erste deiner Art.

„Du bist der Eisberg, der die Titanic zum Sinken bringt.“, hast du später zu mir gesagt, ohne zu ahnen, dass du dich damit selbst zum sinkenden Schiff erklärtest. Später, nachdem wir also den Fehler begangen hatten, unsere Bedenken gegeneinander fallen zu lassen und uns näher „kennenzulernen“. Ich setze das bewusst in Anführungszeichen, denn du hast mich nie gekannt und wirst das auch nie von dir behaupten können. Wenigstens soweit habe ich es nicht kommen lassen.

Dabei war ich am Anfang von Phase 2 wirklich positiv überrascht und hatte fast schon so etwas wie ein gutes Gefühl bei dir, wobei ich den Begriff „Gefühl“ an dieser Stelle nicht überbewertet wissen möchte. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise so etwas wie Gefühle für dich – zu deinem Erstaunen nicht einmal Hass. Bis jetzt.

Jedenfalls schienst du anders zu sein als deine Vorgänger. Unser Verhältnis war von Anfang an ziemlich offen und wenn ich heute darüber nachdenke, was wir uns alles erzählt haben, kann ich nur den Kopf schütteln. Vor allem über das, was du erzählt hast – die größte Farce des Jahres! Ich frage mich wirklich, was genau du damit bezweckt hast. So wie ich mich dir gegenüber verhalten habe, hättest du dir deiner Sache ziemlich bald sehr sicher sein können. Es war mehr oder weniger offensichtlich, dass du bekommen würdest, was du wolltest, auch ohne großes Tamtam. Und das aus einem einfachen Grund: ich habe dieser Sache keinerlei Bedeutung beigemessen und du warst für mich nicht mehr als ein netter Zeitvertreib.

Oder sollte ich mir vielleicht die Frage stellen, was du wohl wirklich wolltest? Vielleicht hast du in dem Ganzen ja mehr gesehen als ich. Dein Verhalten kam mir teilweise schon seltsam vor und passte nicht immer hundertprozentig zu dem, was wir vorhatten, was ich vorhatte. Womit wir wieder beim Eisberg und der Titanic wären. Wahrscheinlich hast du das damals bedeutend weniger beiläufig gemeint, als ich es in dem Moment aufgefasst habe. Diese Interpretation ist für mich durchaus schlüssig, und deshalb werde ich es für mich dabei belassen.

Denn das hier ist mein Beitrag, um mit dir abzuschließen. Nicht, dass mir das sonderlich schwerfiele; wie gesagt, du hast mich emotional nie erreicht. Ich sehe mich eher als eine Art externer Beobachter, der auf zwei Menschen in einer ziemlich verfahrenen Situation herabblickt und sich verständnislos fragt, was bei den Beiden nur schiefgelaufen ist.

Was zum Teufel stimmt mit dir nicht? Meinst du, ich merke nicht, dass du meinen Körper nach wie vor von oben bis unten mit diesem Blick musterst, als hättest du auch nur den Hauch eines Anspruches darauf? Früher hat mir das durchaus gefallen, und einem Teil von mir imponiert es auf herablassende Weise nach wie vor. Nennen wir es Genugtuung. Mein Verstand hingegen möchte es einfach nur noch widerlich finden.

Und dann ärgere ich mich, wenn ich mich dabei ertappe, doch wieder ganz normal mit dir zu reden, als sei nichts gewesen. Aber was ist denn überhaupt gewesen? Nichts, so wie immer. Es ist einfach nur – wie so oft – auf halbem Wege komisch geworden.

Wenn ich deine Stimme höre, verkrampft sich eine Hälfte von mir vor Abscheu, während die andere versucht, jedes noch so kleine Wort zu verstehen, in der Hoffnung, daraus vielleicht doch noch irgendeine Erklärung für all das ableiten zu können. Wenn ich dich sehe, möchte ich dich einerseits mit meinen Blicken töten und mich andererseits schnellstmöglich abwenden, weil dein Anblick mir Übelkeit verursacht. Der penetrante Duft deines Haargels, den ich einst so sehr mochte, löst jetzt einen Brechreiz bei mir aus. Deine Geschichten und die Art und Weise, wie du sprichst, fand ich mal lustig. Doch im Grund sind sie nichts als primitiv. Kurzum: ich habe nur Verachtung für dich übrig.

Ein bisschen widert es mich ja selbst an, dass ich die Dinge, die passiert sind, überhaupt zugelassen habe. Dennoch bereue ich nichts, denn eins ist sicher: es war unumgänglich. Ein notwendiges Übel. Wir wären sonst ewig umeinander herumgeschlichen wie Löwen um ihre Beute und hätten uns dabei die berühmte „Was wäre, wenn…?“-Frage gestellt, und das wiederum hätte unausweichlich früher oder später zu demselben Ergebnis geführt.

So gesehen war es also durchaus vernünftig, dass wir dem Drama beizeiten ein Ende gesetzt haben. Ein Happy End war ohnehin niemals vorgesehen. Denn wenn sich der Eisberg und die Titanic zu nah kommen, ist ein Untergang vorprogrammiert.

Vom Sagen und Schreiben

Das, was ich gesagt oder geschrieben habe, habe ich letztlich nicht nur gesagt oder geschrieben, sondern auch so gemeint… Ich liebe dich!“

Als ich erkannte, dass ich mich verändert hatte, wünschte ich mir, ich hätte am vorherigen Abend zu viel getrunken und das, was ich gesagt habe, wäre nichts als ein wirres Promillegespinst gewesen. Außer die SMS an Dich. Ich hätte mich ins Koma trinken können und dennoch jedes einzelne Wort so gemeint.

Die nächste Erkenntnis war, dass nicht ich mich verändert hatte. Du hast es für mich getan.

Freilich hatte ich getrunken, aber es war nicht genug gewesen. Nicht einmal der Konsum eines typischen Mallorca-Urlaubers am Ballermann hätte dafür ausgereicht. Wobei ich das, worum es hier eigentlich geht, damals nicht einmal in Ansätzen ahnte. Und auch jetzt wünsche ich mir, ich hätte es niemals erfahren.

Doch das, was uns gesagt wird, können wir uns in den wenigsten Fällen aussuchen. Wir können maximal hoffen, dass es so gemeint ist, wie wir annehmen. Oder eben gerade nicht.

Ich liebe dich. Immer noch.

Es stört mich nicht mehr, angerufen zu werden, während ein guter Film im Fernsehen läuft. Und das liegt nicht daran, dass es keine guten Filme mehr gibt.

Ich fühle mich nicht mehr unwohl, wenn ich morgens neben dir aufwache und mir der Schlaf noch ins Gesicht geschrieben steht. Denn Du hast mir gezeigt, dass ich das nicht nötig habe.

Meine Freiheit, die mir vor nicht allzu langer Zeit noch über alles ging, will ich nicht mehr. Weil ich verlernt habe, damit umzugehen. Vielleicht konnte ich es nie.

Wenn sie so schön ist wie die deine, möchte ich für den Rest meines Lebens in Gefangenschaft sein.

Was hast Du mit mir gemacht? Ich hatte immer Angst, mich zu binden. Jetzt habe ich nur noch Angst, allein zu sein.

Denn letztlich ist jeder von uns ein bisschen wie ein Buch. Wir alle haben eine Geschichte zu erzählen. Ein ungebundenes Buch aber kommt irgendwann durcheinander, und die Geschichte macht keinen Sinn mehr. Es wird niemals die Chance haben, ein Bestseller zu werden, und so verfehlt es im schlimmsten Fall sein Ideal und landet irgendwann in der Versenkung.

Bevor ich Dich kennen gelernt habe, war ich ein Bestseller. Oder habe mich zumindest für einen gehalten. Heute weiß ich, dass ich recht hatte. Es ist nur eine Frage der Definition. Es geht nicht darum, sich möglichst oft zu verkaufen. Wichtig ist nur, sich an den Besten zu verkaufen. Und das ist nicht immer der, der den höchsten Preis zahlt, sondern der, der den ideellen Wert am meisten zu schätzen weiß. So oder so – ich denke, ich war mein Leben lang ein Bestseller.

Du hattest jetzt 3 Monate Zeit zum Lesen. Doch was ist das in Relation zu einer Geschichte von 18 Jahren? Ich frage mich, was passieren wird, wenn Du die letzte Seite gelesen hast. Ich weiß ja selbst nicht einmal, was darauf steht.

Was wirst Du denken? Kommst Du zu dem Schluss, dass es sich gelohnt hat? Und was denke ich selbst? Hat es sich gelohnt?

Ich habe bewusst diesen Stift in die Hand genommen und zu Schreiben begonnen. Und ja – ich musste es tun. Ich wäre sonst niemals glücklich geworden, soviel ist sicher.

Obwohl ich immer der festen Überzeugung war, glücklich zu sein. Immer in den letzten 12 Monaten. Heute weiß ich, dass ich bei Weitem nicht immer das war, wofür ich mich gehalten habe. Wenn ich es überhaupt jemals war.

Es gibt Dinge, die muss man erst Schwarz auf Weiß sehen, um sie für sich zu realisieren. Vielleicht habe ich allein deswegen angefangen zu schreiben.

Kaffee schwarz

Ich habe angefangen, meinen Kaffee schwarz zu trinken, weil ich es satt hatte, beim Einkaufen ständig die Milch zu vergessen. Dabei habe ich Kaffee immer mit viel Milch geliebt, am besten im Verhältnis 1:1.

Es ist wie so oft im Leben: Einer von Zweien verliert immer. In diesem Fall war es eben die Milch. Weil sie am Ende doch zu unwichtig, zu verzichtbar war, um essentiell zu sein.

Es ist wie mit den Dingen, die wir sagen wollen und oftmals doch nie auf den Punkt bringen können. Ständig fragen wir einander, wie es uns geht. Es ist quasi der Einstieg in jede unserer Konversationen. Ich für meinen Fall möchte in diesem Moment jedoch eigentlich gar nicht fragen, wie es diesem einem ganz bestimmten Gegenüber geht. Ich bin lediglich nicht in der Lage, ihm zu sagen, dass er mir fehlt. Und so trinken wir Kaffee und reden über mehr oder minder belanglose Dinge, während wir um das, was wirklich zählt, stets einen übergroßen Bogen machen. Was uns berührt, bleibt ewig unangetastet. Und was wir wirklich sagen wollen, wird nie ein Mensch zu Ohren bekommen.

Denn wir haben Angst. Angst davor, uns unsere wahren Gefühle einzugestehen, und Angst vor der Erkenntnis, dass wir emotionale Macht über den anderen haben. Denn sobald wir voneinander wüssten, wie es im jeweils anderen aussieht, könnten wir einander auch verletzen. Und gerade das macht doch diese besondere Art der Beziehung aus – dass wir uns weder enttäuschen noch gegenseitig weh tun können. Und warum? Weil wir zu feige sind, uns wirklich auf den anderen einzulassen. Vielleicht ist es das Beste, was wir tun können.

Aber manchmal ist das einfach nicht genug. Ich bin durchaus in der Lage, mich eine Zeit lang mit schwarzem Kaffee zu arrangieren. Aber eben nicht auf Dauer. Irgendwann komme ich unumgänglich an den Punkt, an dem mir die Milch einfach fehlt. Genauso kann ich über einen gewissen Zeitraum – lassen wir es Wochen, Monate oder meinetwegen sogar Jahre sein – standhaft bleiben und mich auf niemanden wirklich einlassen, aber das funktioniert nur solange, bis ich irgendwann völlig unerwartet DEN Einen treffe. Den, der mich zu sehr interessiert, um nur seine Oberfläche zu betrachten. Den, der etwas in mir auslöst, dass ich kaum in Worte fassen kann. Den, der Gefühle in mir erweckt, von denen ich nicht einmal ahnte, dass ich sie so empfinden könnte. Den, der mein Herz berührt und nicht mehr loslässt.

Gewisse Dinge sollen einfach passieren. Und genau deshalb gibt es nichts, aber auch gar nichts, was wir tun können, um sie zu verhindern. Wir können uns noch so sehr an unseren Verstand klammern, denn wenigstens der weiß zumindest meistens zuverlässig, was richtig ist und was falsch. Einer dieser klugen Typen, die meinen uns sagen zu können, was wir zu tun haben. Die konnte ich noch nie leiden. Ich bin ein Herzensmensch.

Oh mein Gott, das bin ich tatsächlich. Aber wann genau bin ich dazu geworden? Egal. Unser Herz, mit ihm könnten wir natürlich zumindest versuchen, zu verhandeln. Wir können es anflehen, wenigstens ein bisschen auf die gutgemeinten Ratschläge und Weisungen des Verstandes einzugehen. Aber die beiden sind Feinde. Erzfeinde. Die wollen nicht kooperieren. Die wollen sich bekämpfen, und wenn es sein muss, bis aufs Blut. Und deswegen werden sie kaum einmal zu einer Einigung finden. Friedliche Koexistenz? Völlig utopisch.

Es ist ja auch gar nicht mein Ziel, einen solchen Zustand dauerhaft zu erreichen, das wäre vermessen, ich weiß. Nur dieses eine Mal würde es mir doch schon völlig reichen. Dieses eine Mal, und dann könnte vielleicht endlich auf alle Zeiten Ruhe einkehren. Herz und Verstand könnten ihren Kleinkrieg meinetwegen weiterführen, und er würde mich nicht mehr tangieren. Denn mein Herz hätte dann, was es so sehr will, und das ist doch im Grunde alles, was zählt. Das liebe Herz, wir können es mit Messern bedrohen und wir können es hassen, aber wir werden es niemals unterdrücken können. Denn letztlich wird es sich immer durchsetzen und dem Schicksal folgen. Weil es verdammt stark ist, unser Herz. Stark und vor allem selbstbestimmt, genau so, wie wir Menschen selbst gern wären. Es ist ein wahres Vorbild, denn es tut stets und ständig, was es will und lässt sich nicht beirren. Und meistens fährt es auf seiner egoistischen Schiene über kurz oder lang auch noch ganz gut, unser verdammtes Herz. Beneidenswert, wahrhaft beneidenswert.

Wieso also sollten wir überhaupt versuchen, unser Herz in die geregelte Bahn des Verstandes zu lenken, wenn wir doch eigentlich schon vorher wissen, dass uns das niemals gelingen wird? Und warum sollten wir das wollen, wenn es uns alles andere als glücklich macht?

Auf der Reise

Mit menschlichen Beziehungen verhält es sich wie mit der Planung einer Reise.

Als ich anfing, diese Reise zu planen, hatte ich ein ganz anderes Ziel vor Augen als das letztlich erreichte. In einer Zeitschrift sah ich diesen wunderschönen Flecken Erde, und auf den ersten Blick war klar: „Da muss ich hin!“

Zwar hatte ich schon lange im Voraus gewusst, dass es ihn gibt, aber ich hatte mir nie große Gedanken darüber gemacht, wie er wohl sein mochte. Es ist wie mit den Menschen, die uns tagtäglich auf der Straße begegnen: ihre Existenz ist uns allgegenwärtig, und dennoch kommt ihre Bedeutung in unserem Leben der eines Flugzeugs am Himmel gleich.

Aber auf einmal gab es keine Alternative mehr; kein Links, kein Rechts, und vor allem kein Zurück.

Diesen zauberhaften Ort zu erreichen, war plötzlich alles, was noch zählte. Wie ich da hinkommen wollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht so genau, aber das spielte auch keine tragende Rolle.

Ich packte nur meine allernötigsten Sachen zusammen und machte mich blindlings auf den Weg. Die Reise nahm ihren Lauf!

Meine Tour führte mich querfeldein durch’ s Land. Hinter jeder Ecke warteten neue Erfahrungen und Eindrücke auf mich, die ich allesamt mitnahm und ohne die ich heute zweifelsohne nicht da wäre, wo ich schlussendlich angekommen bin.

Doch eines Tages kam ich an diese Kreuzung, die all meine Pläne buchstäblich durchkreuzen sollte. Plötzlich hatte ich zwei Möglichkeiten: ich konnte den Weg wählen, der mich ganz sicher an mein Traumziel gebracht hätte, oder aber den anderen, der ins Ungewisse führte.

Aber war mein Traumziel denn tatsächlich so erstrebenswert? Langsam, aber sicher verschwamm das Bild vor meinen Augen, das mich die ganze Zeit über blind geführt hatte. Erst jetzt merkte ich, dass ich die Zeitschrift zuhause vergessen hatte.

Ich verweilte sehr lange an dieser Weggabelung, ohne nun mehr recht zu wissen, wo ich eigentlich hin wollte. Aus meiner verzweifelten Unentschlossenheit heraus entschied ich mich kurzerhand für einen Mittelweg, auch wenn das keine Dauerlösung sein konnte. Irgendwann musste ich eine Entscheidung treffen.

So wandelte ich lange auf dem schmalen Pfad zwischen Ideal und Innovation, gleich einem Pilgerer, der auf Erleuchtung hofft und am Ende doch nur vor einem gewaltigen Steinklotz steht.

Diese Phase des Zweifels hatte mich letzen Endes so lange aufgehalten, dass ich irgendwann ganz vergessen hatte, warum ich eigentlich losgelaufen war. Mein Bild war weg, und ich wusste, es würde nie wieder kommen.

Da es nun egal geworden war, welchen Weg ich schließlich wählte, entschied ich mich einer spontanen Eingebung folgend für den anderen. Und ich habe diese Entscheidung nie bereut.

Zwar habe ich mein Ziel nicht erreicht. Aber manchmal im Leben, wenn wir gerade dabei sind, unsere Ziele zu verwirklichen, eröffnen sich uns genau dadurch plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Wir entdecken Seitenstraßen, ganz schmale Gassen, die es lohnen, betreten zu werden.

Am Ende meiner Reise stellte ich fest, dass ich alles richtig gemacht hatte. Mir wurde klar, dass an meinem Traumziel schon hundert Andere vor mir gewesen waren. Und in einem überlaufenen Touristen-el-Dorado- wäre ich wahrscheinlich niemals glücklich geworden.

Jetzt sitze ich auf meiner Insel und bin glücklich. Alles ist so unberührt, so rein, so unbeschreiblich schön. Besser hätte ich es nicht treffen können.

Es gibt Träume, die sollten einfach Träume bleiben. Denn nach ihrer Verwirklichung wären sie unter Umständen ohnehin nicht das, was sie in ihrem schönen Schein zu sein vorgeben.

Die wirklich paradiesischen Orte erreichen wir oftmals nur zufällig, indem wir die unscheinbaren Abwege ausprobieren. Den Mut dafür bringen die Wenigsten von uns auf, und vermutlich liegt in genau dieser Lethargie der Massen der Segen für die Unkonventionellen unter uns.

So, ich muss nun weiter. Die Zeit ist reif, den anderen von meinen Erlebnissen zu erzählen. Auf dem Rückweg werde ich die Augen gut aufhalten, denn eines habe ich auf meiner Reise gelernt: ich kann überall neue Ziele entdecken!

Auf halbem Wege komisch geworden…

Wenn dich das Leben so gezeichnet hat, dass du selbst für vollkommen unschuldige Menschen in absolut harmlosen Diskussionen nur noch Zynismus übrig hast…

„… und dann ist es irgendwie auf halbem Wege komisch geworden.“, sagte heute mein Kollege in einem Gespräch zu mir, und dabei ging es lediglich um ein Dokument, welchem es an einer gewissen Stringenz mangelte. Im Grunde ein unverfängliches Thema. Doch alles, was mir dazu einfiel, war Folgendes: „Tja, es ist manches auf halbem Weg komisch geworden.“ Es verwundert nicht, dass ich hierfür nur einen verständnislosen Blick erntete. Wie sollte er es auch verstehen? Mein Kommentar war weder der Situation angemessen noch auch nur im Geringsten auf ihn persönlich bezogen – tatsächlich gibt es noch Menschen, zu denen ich mir ein normales Verhältnis bewahren konnte. Und das bringt mich zu meinem eigentlichen Thema.

Ich bin mittlerweile an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich sämtlichen Menschen mit einer gewissen Skepsis begegne. Wenn ich heute jemanden kennenlerne, gehe ich in 99 Prozent der Fälle davon aus, dass derjenige in absehbarer Zeit ebenso schnell wieder aus meinem Leben verschwinden wird, wie er hinein gestolpert ist – ausgenommen natürlich kollegiale Beziehungen rein (!) beruflicher Natur, falls es die überhaupt gibt. Meiner Meinung nach ist es nahezu unumgänglich, zu den Leuten, mit denen man tagtäglich zu tun hat, früher oder später auch eine persönliche Beziehung aufzubauen (genau hier liegt übrigens der Fehler). Warum das so ist? Weil das Leben mich wieder und wieder gelehrt hat, dass es heutzutage nun einmal so läuft. Wir treffen Menschen und lassen uns bestenfalls oberflächlich auf sie ein. Zum Aufbau tiefergehender zwischenmenschlicher Beziehungen ist – vor allem unter uns jungen Leuten – kaum noch jemand imstande. Wie auch, wenn sich das „Leben“ in zunehmendem Maß rein digital auf Facebook, Instagram und Co. abspielt? Immer öfter weichen persönliche Treffen dem digitalen Gedankenaustausch über WhatsApp – selbst Anrufe werden immer seltener. Wir liken und teilen lieber die „Schöne heile Welt“-Fotos unserer sogenannten Freunde, anstatt den echten Menschen, die dahinter stehen und genauso ihre Ecken und Kanten haben, ins Gesicht zu sehen. Denn dann könnte es ja kompliziert werden und dazu führen, dass wir uns neben unseren eigenen Problemen auch noch mit denen anderer auseinandersetzen müssen. Und das braucht natürlich niemand, keine Frage.

Aber ist es nicht genau das, worum es in wahren Freundschaften gehen sollte? Füreinander da zu sein, nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf den anderen zu schauen und sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es gerade schwierig ist? Ich persönlich denke innerhalb meines Freundeskreises lediglich an eine Person, auf die das zutrifft. Alles andere sind rein oberflächliche Bekanntschaften, denen ich nicht lange nachtrauern werde, wenn auch sie eines Tages in der Versenkung verschwinden.

Was das alles mit dem Titel „Auf halbem Wege komisch geworden“ zu tun hat? Nun, es ist in zwischenmenschlichen Beziehungen heutzutage der Lauf der Dinge. Wir lernen jemanden kennen, treffen uns einige Male (und ja, natürlich schreiben wir auch), haben wirklich eine gute Zeit und kommen möglicherweise sogar zu dem trügerischen Schluss, Freunde geworden zu sein. Und plötzlich – Stille. Ich bin weder alt noch weise, aber auch ich habe das inzwischen mehrfach erleben müssen. Im Grunde mein Leben lang immer und immer wieder. Von Anfang an. Als Kind hatte ich Schulfreunde, die sich früher oder später allesamt von mir abgewandt haben, und das ohne erkennbaren Grund oder gar eine Erklärung. Heute stehe ich noch mit genau einer Person aus meiner Schulzeit in Kontakt, und das ist meine beste Freundin. Die Einzige, die mir über Jahre und vor allem hunderte Kilometer hinweg noch immer erhalten geblieben ist. Das ist echt. Im Laufe meiner späteren Berufsausbildung und meines Studiums kam ich zwar im Rahmen des Notwendigen mit allen ganz gut zurecht, aber ich war nie Teil einer sogenannten „großen Familie“. Meist stand ich eher am Rande des Geschehens. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich 3 Kolleginnen, und etwas mehr als ein Jahr lang waren wir wirklich ein Spitzenteam, wir hatten jeden Tag soviel Spaß zusammen, irgendetwas gab es immer zu lachen und wir haben uns tatsächlich alles erzählt. Ja, wir standen uns in dieser Zeit sehr nahe und ja, es hat sich echt angefühlt. Damals hätte ich diese Frauen ohne zu zögern als meine Freundinnen bezeichnet. Letztes Jahr habe ich die Firma verlassen und – Überraschung: ich habe zu KEINER von ihnen mehr Kontakt. Es gab einen lächerlichen tränenreichen Abschied und tausend Beteuerungen, dass wir uns mindestens einmal im Monat treffen und sowieso auf jeden Fall in Kontakt bleiben würden, bla bla bla. Tatsächlich wird mir leicht übel, wenn ich heute so daran zurückdenke. Was zum Teufel sollte das alles?! Warum vertraue ich jemandem mein halbes Leben an, den ich einfach mir nichts, dir nichts aus meinem Bestandsverzeichnis lösche, sobald ich ihn nicht mehr täglich vor Augen habe? Was nützt es mir und was nützt es dem anderen? Natürlich möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass ich zumindest versucht habe, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Ich habe am Anfang jeden Tag von meinen Erfahrungen in der neuen Firma berichtet und mehrfach ein Treffen vorgeschlagen. Auf Letzteres wurde konsequent nicht eingegangen und irgendwann kam einfach gar nichts mehr zurück.

Es ist okay. Ich habe meine Lehren daraus gezogen und ich bin auch für diese Erfahrung dankbar – denn mir wurde dadurch ein für alle Mal beigebracht, dass das Arbeitsleben nicht dazu dient, Freunde zu finden. Ganz im Gegenteil ist es stupide, davon auszugehen, und einer der größten Fehler, die man machen kann. Heute versuche ich, Berufliches und Privates möglichst strikt zu trennen – zumindest für mich. Zwar tausche ich mich mit meinen Kollegen natürlich auch über Privates aus und hin und wieder unternehmen wir auch etwas in unserer Freizeit miteinander, aber ich gebe darauf nichts und keiner von ihnen bedeutet mir etwas. Wichtig sind für mich nur noch die Menschen, die schon immer da waren: meine Familie, meine beste Freundin und natürlich auch mein Freund, der zwar nicht schon immer da war, wohl aber großes Potenzial hat, zumindest ein ganzes Weilchen zu bleiben.

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